Das Haus Goldkuhle-Runde besteht im Kern aus drei Hausstellen, die im Lauf des 19. Jahrhunderts von der Künstlerfamilie Goldkuhle genutzt wurden.
Georg Goldkuhle (1849-1900) gehörte mit seinem Großcousin Franz Anton Goldkuhle zu den Begründern der „Wiedenbrücker Schule„.
Georg Goldkuhle war an vielen prominenten Kirchenausmalungen und Altarneuschöpfungen oder Nachbauten von mittelalterlichen Altären beteiligt. Seine prominenteste Ausmalung fertigte er für den Mindener Dom in den Jahren 1882 bis 1885 an. Seine berühmteste Altarschöpfung ist die Kopie der „Goldenen Tafel“ bzw. des „Goldenen Wunders“, des Hochaltars des Mindener Domes, der im Original im Bode-Museum zu Berlin zu sehen ist.
Bildquelle: Oskar Ritter von Pistor: Der Maler Georg Goldkuhle, Gemälde im Wiedenbrücker Schule Museum
In seinem Atelier wurden auch junge Künstler ausgebildet. Als Lernort stand sein Atelier auch dem akademischen Künstlernachwuchs der Kunstakademien Wien und München offen. Kontakte zum Professor Caspar Ritter von Zumbusch führte zu dieser Ausbildungsarbeit. Über diesen Weg kommt es zum Aufenthalt des Künstlers Oskar Ritter von Pistor in Wiedenbrück. In seiner Wiedenbrücker Zeit fertigt von Pistor ein Porträt von Georg Goldkuhle, das im Wiedenbrücker Schule Museum zu sehen ist.
Als Georg Goldkuhle mit nur 51 Jahren starb, übernahm sein Sohn Eduard Goldkuhle (1878-1953) die Geschäfte und das Atelier des Vaters. Bereits vorher war der Sohn schon so erfolgreich, dass er als 19 jähriger Künstler eigenständige Aufträge für Kirchenräume ausführte. Der gute Ruf des Namens Goldkuhle und das große Können von Eduard führte zu einem weiteren Wachsen des Ateliers. Eduard Goldkuhle zeichnete u.a. für die Ausmalung des Mariendomes in Hamburg 1922-23 verantwortlich. Bis 1929 führte Eduard Goldkuhle seine Geschäfte von Wiedenbrück aus, bis er in dem Jahr nach Dortmund übersiedelte.
Bildquelle: Kunstmaler Eduard Goldkuhle, Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück
Die Geschichte der Goldkuhles in den Künstlerhäusern Lange Str. 16-20
1870 kauft die Witwe Elisabeth Jersch (1814-ca.1880) das Haus. Sie kam gebürtig aus Wiedenbrück und war die Witwe des Blei- und Kunstglasers Johann Hermann Josef Goldkuhle (1804-1870) aus Herzebrock. Sie zog mit ihrem Sohn Georg Goldkuhle (1849-1900) ins Haus Lange Str. 16 , das sie von der Wiedenbrücker Familie Lejeunes erworben hatte .
Dort richtet der Sohn und Kirchenmaler Georg Goldkuhle (1849-1900) sein Atelier für Malerei (Bildwerke auf Leinwand und Holz), Kirchenmalerei (Innenraumausmalungen in Kirchen), Polychromie (Farbfassungen von Altar- und Sakralmöbeln) ein.
Die gut laufenden Geschäfte führten nach 1870 zu einer Erneuerung der Fassade von Haus Lange Str. 16. Im Jahr 1886 kommt es zu einem Anbau und 1887 zum weiteren Zukauf des Hauses Lange Straße 18 (Haus Nr. 28) von den Erben des Heinrich Sage. Georg Goldkuhle musste die Summe von 2.650 Talern aufbringen.
Hier erweiterte Goldkuhle seine Ateliers in den Hof hinein. In ihnen entstanden im Laufe der Zeit viele Porträts und Kirchenausstattungen. Auch wurden Entwürfe für Kirchenausmalungen entwickelt und viele Skizzen vorbereitet, die später vor Ort umgesetzt wurden.
Bildquelle: Festwagen des Ateliers Goldkuhle, Lange Straße 16, Stadtarchiv Rheda-Wiedenbrück
Goldkuhle und Runde sind Nachbarn
Zu einem weiteren Besitzerwechsel kam es 1887 . In dem Jahr (Akten des Stadtarchives Rheda-Wiedenbrück) erwirbt der Sattlermeister Josef Runde Haus Lange St. 16 von Goldkuhles.
1903 erwirbt der Sattlermeister Josef Runde zusätzlich Haus Lange Str. 18. Das Atelier wurde von Goldkuhle zwischen 1903 und 1929 in die St.Viter Straße (heute Stromberger Straße) verlagert.
Rundes werden Besitzer aller Häuser Lange Str. 16-20
1932 kauft der Sohn Sattlermeister Adolf Runde (Sohn des 1914 verstorbenen Josef Runde) zusätzlich noch Haus Lange Straße 20 und entwickelt seine Sattlerei und Polsterei weiter. 1939 werden die Häuser Lange Str. 18 und 20 abgerissen und in den heute noch sichtbaren Grundformen erneuert. 1950 wird die alte Fachwerkfassade von Haus Lange Str. 16 durch eine massive Steinfassade ersetzt und das heute bekannte Ensemble entsteht. Der Sohn Josef übernimmt 1954 das gut gehende Geschäft und wird zu einem über die Kreisgrenzen bekannten Lederwaren- und Reisegepäckspezialisten. 1985 übernimmt die vierte Generation der Familie Runde den Betrieb. Der Urenkel Joachim Runde lässt das Geschäft umfangreich modernisieren und baut den Betrieb weiter aus. Als Anbieter für modische Lederwaren und Reisegepäck mit angeschlossener Parfümerieabteilung in Haus Lange Str. 16 feiert der Betrieb 2012 sein 125 jähriges Geschäftsjubiläum. Im Jahr 2013 verkauft die Familie Runde das Gebäudeensemble nach 126 Jahren. Die im Hof vorhandenen Atelierräume der Goldkuhles sind bis heute im Kern erhalten.
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Fast alle Kunstwerke die Georg und Eduard Goldkuhle schufen sind heute verloren. Ein Andenken an die Familie Goldkuhle befindet sich noch vor der Marienkirche. Georg Goldkuhle stiftete 1899 die bis heute dort vorhandene Mariensäule auf dem Vorplatz der Marienkirche am Franziskaner-Kloster. Die bildhauerische Ausführung übernahm der Kollege Anton Mormann.

Umfassende Informationen zu der Malerdynastie Georg und Eduard Goldkuhle finden sich im Wiedenbrücker Schule Museum und im Buch Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker: In unvergleichlicher Pracht auf Goldgrund gemalt – Die Wiedenbrücker Maler Georg und Eduard Goldkuhle,ISBN 978-3-89946-306-4, Verlag Rasch, Lindenstraße 47, 49565 Bramsche und im Buchhandel.

Quellen:
Josef Temme: Lebensbilder Wiedenbrücker Häuser, Band 1 Langenbrücker Tor Hof
Brigitte und Rolf-Jürgen Spieker: In unvergleichlicher Pracht auf Goldgrund gemalt – Die Wiedenbrücker Maler Georg und Eduard Goldkuhle
Akten des Familienarchivs Runde
Wiedenbrücker Schule Museum
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