Wenn man vom 19. Jahrhundert spricht ist meist die Zeit von ca. 1800 (Kaiser Napoleon in Frankreich, Kleinstaaterei im deutschsprachigen Raum und den Kriegen dieser Zeit) bis zum Ende 1890-1900 (Deutsches Kaiserreich als „Kleindeutsche Lösung“ und den wirtschaftlichen Aufschwung in Europa, nationale Spannungen und die Kunst und Kultur dieser Zeit ) gemeint. Die historische Forschung ist sehr interessant und viele gute Bücher geben hier einen spannenden Eindruck.
Die Zeit hatte aber viele weitere Seiten, die nicht nur durch die immer verherrenderen Kriege, sondern auch durch Nahrungsmittelknappheit, Gegensätze von Arm und Reich, Pauperismus und Industrialisierung und einer sich stark verändernden Welt auszeichneten.
In loser Folge wollen wir hier einzelne Fakten vorstellen und so auch die Kenntnis der Zeit erweitern.
Heute beginnen wir mit dem Hambacher Fest von 1832
Das Hambacher Fest fand vom 27. bis 30. Mai 1832 in der Pfalz statt.
20.000 bis 30.000 Menschen aus den deutschen Bundesstaaten, aus Polen, Frankreich und Großbritannien kamen auf dem Hambacher Schloss im pfälzischen Neustadt an der Haardt zusammen. Es war die bis dahin größte politische Massenveranstaltung in Deutschland, zu der auch erstmals Frauen teilnehmen durften.
Wie kam es zum „Hambacher Fest“?: Als in mehreren pfälzischen Zeitungen eine Einladung zur Feier des bayerischen Verfassungstages am 26. Mai 1832 auf
dem Hambacher Schloss erschien, nutzten die Journalisten Johann August Wirth (1798-1848) und Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) aus der
Pfalz die Gelegenheit, um kurzerhand zu einem „Nationalfest der Deutschen“ einen Tag später einzuladen.
Die Veranstalter hatten ursprünglich mit rund 1.000 Besuchern gerechnet und Kokarden in den Farben schwarz, rot und golden produzieren lassen, die an alle jene ausgegeben wurden, die Geld für das Nationalfest gespendet hatten. Dass die Teilnehmerzahl sich so enorm vervielfachte, hatten die Organisatoren dem drohenden Festverbot durch den pfälzischen Regierungspräsidenten zu verdanken, das sich durch den massiven Protest seitens großer Zeitungen jedoch abwenden ließ.
Am Morgen des 27. Mai erlebten die Veranstalter einen Massenauflauf, an dem neben Professoren und Studenten auch Kaufleute, Handwerker, Winzer, Kleinbauern, Tagelöhner und eine Vielzahl von Frauen, die zur politischen Feier auf dem Hambacher Schloss ausdrücklich eingeladen waren, teilnahmen.
Der Festzug zum Schloss wurde angeführt von der Kapelle der Bürgergarde, gefolgt von
Frauen mit der polnischen Fahne und einer A
bordnung mit einer schwarz-rot-goldenen Fahne, auf der die Inschrift „Deutschlands Wiedergeburt“ prangte. Es folgten Abordnungen aus D
eutschland und Gäste aus England, Frankreich und vor allem aus Polen, deren Freiheitskampf von der russischen Herrschaft im Vorjahr gescheitert war. So wurde das
Hambacher Fest ein europäisches Freiheitsfest.
Während des Festes wurden rund 20 gehaltenen Reden gehalten, in denen der Gedanke der nationalen Einheit neben der Forderung nach Freiheit, freier Meinungsäußerung und der Beseitigung der Fürstenherrschaft in besonderem Maße Raum gegeben.
Fast alle Redner beschworen dabei den Geist republikanischer Brüderlichkeit und nachbarschaftlicher Freundschaft. Der Mitinitiator Wirth forderte gar eine föderale Republik in einem konföderierten Europa: „Hoch! Dreimal hoch leben die vereinigten Freistaaten Deutschlands! Hoch! Dreimal hoch das conföderirte republikanische Europa!“
Damit stand die Trikolore/ die Fahne schwarz-rot-gold für die Freiheitsbewegung, den europäischen Gedanken, der Gleichheit von Männern und Frauen und von Arm und Reich und die Völkerverständigung. Sie wurde die Fahne der ersten deutschen Republik 1848. Das Gegenkonzept zu Feudalherrschaft, Diktatur, Nationalismus und Geschlechterungleichheit.
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Alle Fotos: c)Andreas Brinkmann, Playmobil Diorahma: Bruno Peeters, Sammler aus Boom, Belgien